«ECHODROM», 2023/24

Ein schwarzer Kubus wird durch einen sanften Lichtteppich getragen. Die Installation „ECHODROM“ arbeitet mit der Bewegung und den Geräuschen der Betrachter*in.

Auf der horizontalen Fläche eines schwarzen, kniehohen, durch einen Lichtteppich getragenen Kubus, ist ein scheinbar im Raum schwebendes, langsam rotierendes Auge zu sehen.

Bei Geräuschen versinkt dieses in der Tiefe des Kubus, um danach gleich wieder emporzusteigen und scheinbar über der Box zu schweben.

Nähert sich eine Person dem Kubus und beugt sich über das hologrammähnliche Auge, öffnet sich die Pupille und die Person wird von hellem Licht erfasst.

Sie sieht sich selbst im Zentrum des Blickes gefangen, um nach kurzer Zeit von der sich wieder schliessenden Pupille verschluckt zu werden.

Das helle Licht geht aus, der schwarze Kubus wird wieder durch den Lichtteppich getragen. Das Auge dreht sich wieder ruhig schwebend über dem schwarzen Kubus, bis der nächste Laut erklingt, das Auge wieder in der Box versinkt oder durch eine weitere Bewegung in unmittelbarer Nähe, die Pupille wieder einen kurzen Augenblick die Betrachter*in ins Rampenlicht stellt und sie gleichzeitig verschlingt.

Dieser Ablauf wird durch Ton- und Bewegungssensoren gesteuert. Das integrierte Kameramodul ermöglicht die Verschmelzung der betrachtenden Person mit dem sich drehenden Auge.

Können wir unseren Sinnen vertrauen?

Beobachten heißt beobachtet werden – dies stellt ein epistemologisches Konzept infrage, das sich mit Erkennen und Wissen beschäftigt.

«Echodrom» befragt die folgenden Aspekte:

– Der Echoraum
– Die eigene Wichtigkeit
– Sich selbst im Bild sehen
– Sich selbst im Weg stehen
– Der eingeschränkte Blick
– Wahrnehmung durch Einschränkung, nicht durch Erweiterung
– Vom Licht ins Dunkle blicken
– Die Übersicht verlieren
– Das Bild des Narziss
– Die Spiegelung

All diese Themen werden von Echodrom aufgegriffen und können zum Weiterdenken anregen.

Ohne Betrachter*in schwebt das sich ruhig drehende Auge, in seiner Erscheinung an eine Erdkugel im All erinnernd, als immaterielle Erscheinung im Raum.

Kontext
Diese Arbeit ist auch eine Hommage an den Physiker Augustin Jean Fresnel, der 1819 Sekretär der Kommission für Leuchttürme wurde und die bahnbrechende Fresnel-Linse entwickelte.

Das Konzept des Panopticons von Bentham – kann man sich heute dem Blick entziehen? Das Panopticon ist ein Entwurf für Gefängnisse und ähnliche Einrichtungen, aber auch für Fabriken, der die gleichzeitige Überwachung vieler Menschen durch einen einzigen Beobachter ermöglicht.

Der Leuchtturm als Wegweiser im Dunkeln wird heute unter anderem durch digitale Technologien wie Suchmaschinen, Social Media und KI ersetzt. Das sich selbst beobachtende und optimierende Individuum in seiner Bubble steht im Zentrum.

Eine digitale Arbeit, die nur im analogen, realen Raum ihre Wirkung entfalten kann.

Fotos: Oliver Lang, Lenzburg
Technischer Support: Processing Foundation, sterretje

Innenleben des Kubus
Ein auf dem Kopf stehender Laptop wirft durch eine über dem Bildschirm montierte Fresnellinse ein Movie nach oben. Dadurch scheint das «projizierte» Bild über der Box zu schweben und es entsteht der Eindruck eines Hologramms, welches auf Fotos leider nicht abbildbar ist.

Betrieben wird die Installation mit einem Laptop, 2 Arduinos, einem Radarsensor, einer Kamera und der Applikation Processing, die Interaktivität ermöglicht.